NÖ Kindersommerspiele Herzogenburg
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Children’s Festival Bethlehem 2012

Eine verrückte Idee wird Wirklichkeit

40 Jahre NÖKISS. 900 Jahre Stift Herzogenburg. 1.000 Jahre Pfarre Herzogenburg. Und dazu der 70. Geburtstag von Propst Maximilian Fürnsinn. Als wir vor wenigen Jahren feststellten, dass eine ganze Menge an Jubiläen ins Haus stehen, suchten wir nach einer Idee, diese Anlässe zu verbinden – nachhaltig, fröhlich, erinnerungswürdig. Damals entstand die Idee, das Kinderfest nach Bethlehem, an den Geburtsort Christi, zu verlegen. Das Children’s Festival Bethlehem 2012: Ein Zeichen der Hoffnung und der Freude für die Kinder Palästinas.

So mancher hielt uns für durchgeknallt, aber aus der Idee wurde ein konkretes Projekt.

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Show am Krippenplatz in Bethlehem

Ein Jahr lang bereiteten sich etwa 100 Kinder und Jugendliche aus Herzogenburg und Umgebung auf die große Show in Bethlehem vor.

Am 22. und 23. Juni 2012 schließlich beschallten die Jugend- und Blasmusikkapelle sowie Gruppen aus der Musikhauptschule (BigBand mit Herz, Jugendchor, Musical-klasse) die Bühne, die vor der Geburtskirche aufgebaut worden war. Die Dancing Queens hatten Tanzeinlagen einstudiert, Gsunga und Plattlt zeigte den Zuschauern einen Bandltanz. Unterstützt wurden die Kinder von Austrian Brass – Dixie goes Bethlehem.

Nicht nur österreichische Gruppen hatten ihren großen Auftritt, auch palästinen­sische Künstlerinnen zeigten ihr beeindruckendes Können:
die Palaestinian Circus School, das Edward Said Orchestra, Dhar al Kalima College, Terra Sancta School und SOS Children’s Village und die Caritas Baby Hospital Clini Clowns. Gemeinsam musizierten Österreicher und Palästinenser im Joint Choir with Talitha Kumi.

Parade durch die Star Street von Bethlehem

Wer am zweiten Tag noch nichts vom Children’s Festival Bethlehem mitbekommen hatte, der konnte bei der Parade durch die Star Street Augen und Ohren nicht mehr verschließen. Dutzende Trommler und Dudelsäcke brachten die Altstadt von Bethlehem zum Erbeben!

Die Pfadfindergruppen aus Bethlehem marschierten in beeindruckenden bunten Uniformen, streng in Formation, durch die Stadt: Scouts Talitha Kumi, Popal Scout Troop Beit Jala und Terra Santa School Scouts.

Begleitet wurden die Scouts von den Clini Clowns auf Stelzen sowie den Jongleuren der Palestinian Circus School.

Den Abschluss bildete die Blasmusik und die Bandltänzer, die so wie alle Mitwirkenden bei großer Hitze und blendendem Sonnenschein extrem professionell und ausdauernd eine perfekte Show lieferten.

Side Events

Mutig waren sie, die ersten Kinder, die sich trauten, ihre Gesichter schminken zu lassen. Kinderschminken ist in Palästina nämlich so gar nicht alltäglich, sondern etwas ganz Besonderes.

Die Angst war aber schnell überwunden und schon am Abend des ersten Tags des Festivals war kein Kind mehr zu sehen, dessen Gesicht nicht bunt und äußerst kreativ und professionell gestaltet worden war.

Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die für die Luftballonfiguren zuständig waren, konnten sich des Andrangs kaum erwehren. Und so verwunderte es nicht, dass fast mehr Leute vom Team dafür zuständig waren, den Ansturm in geregelte Bahnen zu lenken, als Kinder zu schminken und mit Luftballons auszustaffieren.

Das Resümee der Aktionen: ein voller Erfolg!

Besuch im Österreichischen Club in Jerusalem

Die Ära des Nationalsozialismus ist für die Kinder von heute ewig her und kaum mit ihren Realitäten und Lebenswelten abzugleichen. Einen ganz anderen Eindruck bekamen die Kinder von Flucht, Vertreibung und Exil beim Besuch im Österreichischen Club in Jerusalem, in dem sich Überlebende der Shoah regelmäßig in Jerusalem treffen.

Die Kinder gestalteten nicht nur ein paar Stunden mit Volksliedern und klassischen österreichischen Komponisten. Im Vorfeld bestand auch die Möglichkeit, mit den Altösterreichern ins Gespräch zu kommen. Dass dabei schnell ein Draht zueinander gefunden wurde lag vielleicht auch daran, dass die Shoah-Überlebenden zur Zeit ihrer Flucht und Vertreibung genau in dem Alter waren, in dem die Herzogenburger Kinder jetzt sind.

Kreativzentrum goes Bethlehem

Gaby Fessl und Katharina Singer transferierten mit ihrem Team einen kleinen Ausschnitt des Kreativzentrums ins Heilige Land. Die Rahmenbedingungen im Catholic Action Center waren gut, neben den Bastelstationen wurden Spiele mit dem Fallschirm und ein Mitmachzirkus angeboten. Teilweise wurden die Stationen mehr gestürmt als besucht. So gehörte es zu den Herausforderungen des Teams, vor Ort so gut wie alles nachzukaufen und Bestände wieder aufzustocken.

Nach dem ersten Ansturm war es aber möglich, ganz in Ruhe zu basteln, zu beobachten, wie Kinder zum ersten Mal in ihrem Leben eine Schere in der Hand halten und davon ganz fasziniert sind, gemeinsam zu spielen, mit dem Fallschirm hoch zu fliegen und unvergessliche Andenken und Geschenke mit nach Hause zu nehmen.

Das Team der Sideevents hat die vielleicht intensivsten Erfahrungen aus Palästina mitgebracht.

Besuch im Caritas Baby Hospital

Luftballons in allen Formen und Farben – so einfach lässt sich ein Lächeln auf die Gesichter von Kinder zaubern. Die Wakaiuk-Apachen und das Kreativ-Team formten Luftballonfiguren und bliesen hunderte Luftballons auf, die von den Kindern im Caritas Baby Hospital verziert und mit Gesichtern gestaltet werden konnten.

Im direkten Einzugsbereich des Kinderspitals (Bethlehem und Hebron) leben über 300.000 Kinder. Für sie ist die medizinische Grundversorgung nicht ausreichend gesichert. Darum ist das rein durch Spenden finanzierte Caritas Baby Hospital in Bethlehem für das Gesundheitswesen der Region unverzichtbar. Es ist das einzige Spital, das die Mütter gezielt in die Pflege der Kinder einbezieht. Die Türen des Kinderspitals Bethlehem stehen seit 1952 jeden Tag – ohne Unterbrechung – allen Kindern und Müttern offen. In der ambulanten Klinik des Spitals werden pro Jahr rund 30.000 Kinder behandelt. Die 82 Betten auf den Stationen werden jährlich von 4.000 Kindern benötigt.

Besuch im SOS Kinderdorf

Das SOS-Kinderdorf Bethlehem liegt ganz in der Nähe des historischen Hirtenfeldes und wird ausschließlich von arabischen Kindern bewohnt. Es besteht aus 14 Familienhäusern, dem Dorfleiterhaus, Gästehaus, SOS-Tantenhaus (SOS-Tanten kümmern sich in Abwesenheit der SOS-Mutter um die Kinder) und Nebengebäuden.

Eine Aktion des Children’s Festival bestand darin, für die Kinder des SOS Kinderdorfes Palatschinken zu backen. Grundsätzlich kein Problem, wenn man beim Einkauf des Arabischen mächtig gewesen wäre. Joghurt statt Milch… Zum Glück konnte eine Kinderdorfmutter mit Milchpulver aushelfen! Und auch die Nussdorfer Marillenmarmelade, die irgendwie im Dar Anadwa Begegnungscenter stehen geblieben war, konnte gerade noch rechtzeitig mit den ersten fertigen Palatschinken ins Kinderdorf gebracht werden.

Die Bilder sprechen für sich: Alle Kinder mögen Palatschinken!

Pilgerreisen

Mehr als 240 Pilger haben das Children’s Festival begleitet, begleitet von Propst Maximilian Fürnsinn, Wolfgang Payrich, Ambrosius Straka und Ulrich Mauterer. Auch eine Gruppe von Journalisten war mit vor Ort und hat – zusätzlich zu den Stationen des Festivals – viele Gespräche mit politischen und religiösen Repräsentanten sowie Vertreter von Friedensorganisationen und Bildungseinrichtungen geführt. Diese Gruppe wurde von Dr. Georg Röwekamp, dem Chef von Biblische Reisen Deutschland, geführt.

Biblische Reisen war für die Organisation und die Logistik verantwortlich – wie erwartet hat alles bestens geklappt.

Rund um das Festival waren die Pilgergruppen im Heiligen Land unterwegs, das ja als das fünfte Evangelium gilt, und das man bereist haben soll, um die Bibel zu verstehen. Es ging zum Toten Meer, nach Bethlehem, Jerusalem und nach Galiläa.

Ein Schwerpunkt der Reise lag auf der schier aussichtslosen politischen Situation und der damit verbundenen extrem eingeschränkten Möglichkeiten der Kinder und Jugendlichen. Vielleicht haben wir es ja geschafft, ein bisschen Hoffnung zu bringen.

Erinnerungen an Bethlehem

Ein filmischer Rückblick auf das Children’s Festival Bethlehem

Medienecho

NÖ Heute, 25.06.2012: Kinderfest in Bethlehem

Kirchenzeitung, 27.06.2012: Lasst mir den Steffl grüßen

Kirchenzeitung, 26.06.2012: „Es ist so schön, dass ihr uns nicht vergesst!“

Kirchenzeitung, 19.06.2012: Eine Apache für Bethlehem

NÖN, 02.07.2012: Hoffnung mitbringen